24. November 2008

Sightseeing

Der Begriff Sightseeing stammt aus dem Englischen und bezeichnet die Besichtigung ("das Sehen") von Sehenswürdigkeiten, meist im Rahmen eines Urlaubes. Was dabei "sehenswürdig" ist , hängt von zahlreichen Faktoren ab. Üblicherweise sind damit heutzutage historisch bedeutsame Orte, eindrucksvolle Panoramen oder besonders "landestypische" Szenerien gemeint, die eine gewisse überregionale Berühmtheit erlangt haben. Man muss nicht unbedingt eine Reise unternehmen, um "Sightseeing" zu betreiben, denn manchmal gibt es auch am Wohnort Stätten von überregionaler Bedeutung, die man aufsuchen und erfahren kann. Die "Erfahrung" einer Stätte oder Gegebenheit wirkt dann auf den jeweils "Erfahrenden". Gemeinhin wird das "Sightsseing" aber mit dem Besuch fremder Orte, also mit dem Reisen verbunden. Besucht man beispielsweise Kairo, so wird erwartet, dass wenigstens die Pyramiden "gesehen" werden. Beim Besuch von Irland hingegen steht oftmals das Erlebnis der Natur im Vordergrund.

Sightseeing: Kulturbörse aktuell für Touristen

Dabei ist das "Sightsseing" kein Phänomen der Moderne , sondern lässt sich schon für die Antike nachweisen. Der Dichter Antipatros von Sidon berichtete schon im 2. Jahrhundert vor Christus im Rahmen eines Reiseberichtes von bedeutsamen Sehenswürdigkeiten. Der Geschichtsschreiber Herodot wiederum griff diese Reisebeschreibung auf und gab vor, die genannten Sehenswürdigkeiten besucht und "mit eigenen Augen" gesehen zu haben. Auffällig scheint dabei, dass all diese Sehenswürdigkeiten von Menschen erschaffene Bauwerke sind, wie etwa die Pyramiden oder das Mausoleum des Königs Mausolos. Das Motiv der Reise und des "Sehens" der "Wunder" - also des "Sightseeings" - scheint dabei die Absicht der subjektiven Wahrnehmung von märchenhaften Schilderungen zu sein. Indem man Augenzeuge der Sehenswürdigkeit wird, wird diese erst real und erfassbar.

Sightseeing: Geschichtliches Reisen fernab ab von der Zivilisation

Im Mittelalter und der Frühen Neuzeit trat neben das Interesse an den Werken menschlichen Schaffens auch ein verstärktes Interesse am Menschen selber. Die Faszination fremder Kulturen und fremdartiger Menschen übte einen gewaltigen Reiz aus, der vor allem am Erfolg des Berichtes des Marco Polo gemessen werden kann. Subsummiert wird der mittelalterliche Kanon der "sehenswürdigen" Begebenheiten im Rahmen der "Reisen des Ritters Jean Mandeville", der in einem ebenso weitschweifigen wie fiktiven Reisebericht zahlreiche Sehenswürdigkeiten des "Ostens" erwähnt, zu denen nicht nur "historisch" bedeutsame Orte, wie die "Grabstätte Jesu" gehörten, sondern auch die Kultur und das Aussehen der jeweiligen Bevölkerungen. Zum "Sightsseing" gehörte also schon früh die individuelle Erfahrung von Bauwerken aber auch von fremdartigen Naturereignissen und Kulturen. Wer sich heute zum "Sightseeing" begibt, kann aus einem umfangreichen Angebot wählen, wobei eben nicht nur das "Sehen" von Gebäuden und Ortschaften, sondern auch das Erleben und Erfahren von Kultur und Menschen im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.